{"children":[{"title":{"value":"Weichen f\u00fcr die Zukunft stellen"},"url":"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-erster-text","html":"<button data-container=\"ein-erster-text\" data-url=\"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-erster-text\" style=\"margin-right:0rem;\">Weichen f\u00fcr die Zukunft stellen<\/button>\n","content":"<div class=\"outer-text-wrapper container texte\" id=\"ein-erster-text\">\n    <div class=\"close-container\"><svg version=\"1.1\" id=\"Ebene_1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" xmlns:xlink=\"http:\/\/www.w3.org\/1999\/xlink\" x=\"0px\" y=\"0px\"\n\t width=\"28.35px\" height=\"28.35px\" viewBox=\"0 0 28.35 28.35\" enable-background=\"new 0 0 28.35 28.35\" xml:space=\"preserve\">\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 0.7071 -0.7071 -0.7071 34.221 14.1756)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 -0.7071 0.7071 -0.7071 14.174 34.221)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<\/svg>\n<\/div>\n    <div class=\"text-content ein-erster-text\">\n        <h2><p><strong>Gru\u00dfwort<br>zur Er\u00f6ffnung der Veranstaltung des bildungswerk des bbk berlin\u00a0<br>\u201eUnchained: KI, Krypto &amp; Kunst\u201c am 1. und 2. September 2023\u00a0<\/strong><\/p><\/h2>\n                <div class=\"innter-content-text-wrapper\">\n                        <p>KI erlebt derzeit einen Boom. Damit verbinden sich Hoffnungen und auch Bef\u00fcrchtungen. Die\u00a0Veranstaltung\u00a0des\u00a0bildungswerk des bbk berlin in Kooperation mit dem Radialsystem und der Kulturpolitischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg schaut in beide Richtungen und k\u00f6nnte daher aktueller nicht sein.<\/p><p>Bildende K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler werden auf dieser Veranstaltung durch Austausch und Wissensvermittlung im Umgang mit KI gest\u00e4rkt. KI kann die Arbeit erleichtern und als Inspirationsquelle dienen. Sie kann aber auch Einnahmequellen wegbrechen lassen. Eine zentrale Frage ist deshalb auch die des Urheberrechts.<\/p><p>Wie so oft gilt es auch hier ausserhalb der Kategorien von richtig und falsch zu denken. Es gilt vielmehr, Potentiale zu entdecken und jetzt die Weichen f\u00fcr die Zukunft der Nutzung von KI nachhaltig zu stellen.\u00a0<\/p><p>Die Senatsverwaltung f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt unterst\u00fctzt diese zukunftsweisende Veranstaltung.\u00a0<\/p><p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass die bildende Kunst eine wichtige Rolle f\u00fcr eine im Umbruch befindliche Gesellschaft einnehmen wird.\u00a0<\/p><p><\/p><p>Ihr <br>Joe Chialo<br>Senator f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt \u00a0<\/p><p>Berlin, im September 2023<\/p>        <\/div>\n                <div class=\"logos-bottom ein-erster-text\">\n                <\/div>\n        <div class=\"innter-content-text-wrapper second\"><\/div>\n    <\/div>\n<\/div>"},{"title":{"value":"Philosophischer Kommentar"},"url":"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-zweiter-text","html":"<button data-container=\"ein-zweiter-text\" data-url=\"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-zweiter-text\" style=\"margin-right:5rem;\">Philosophischer Kommentar<\/button>\n","content":"<div class=\"outer-text-wrapper container texte\" id=\"ein-zweiter-text\">\n    <div class=\"close-container\"><svg version=\"1.1\" id=\"Ebene_1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" xmlns:xlink=\"http:\/\/www.w3.org\/1999\/xlink\" x=\"0px\" y=\"0px\"\n\t width=\"28.35px\" height=\"28.35px\" viewBox=\"0 0 28.35 28.35\" enable-background=\"new 0 0 28.35 28.35\" xml:space=\"preserve\">\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 0.7071 -0.7071 -0.7071 34.221 14.1756)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 -0.7071 0.7071 -0.7071 14.174 34.221)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<\/svg>\n<\/div>\n    <div class=\"text-content ein-zweiter-text\">\n        <h2>Philosophischer Kommentar<\/h2>\n                    <div class=\"autor\"><p>Von Dominik Erhard<\/p><\/div>\n                <div class=\"innter-content-text-wrapper\">\n                        <p>In der Reihe vor mir entsperrt eine junge Frau ihr Handy und \u00f6ffnet die Karten-App. Zun\u00e4chst ist sie offenbar mit der Frage befasst, wo wir hier sind und klickt auf das Radialsystem. Dann allerdings zoomt sie weiter und weiter hinaus. Erst f\u00fcllt Berlin den Bildschirm, dann die Nordhalbkugel und schliesslich schwebt der ganze digital generierte Erdball frei vor dem dunklen Hintergrund des Weltraums. Sie rotiert den Planeten mit ihren Fingern, bevor sie das Ger\u00e4t zur\u00fcck in ihre Tasche steckt, denn der erste Programmpunkt des zweiten Tages von \u201eUnchained: KI, Krypto &amp; Kunst\u201c beginnt. Eine Veranstaltung, die das bildungswerk, das eine gemeinn\u00fctzige Tochtergesellschaft des berufsverband bildender k\u00fcnstler*innen berlin ist, in Kooperation mit dem Radialsystem und der Kulturpolitischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg ausrichtet. Dabei versprechen all die kommenden Podien und Workshops ein \u00e4hnliches Ziel zu verfolgen wie die Teilnehmerin vor mir: eine Standortbestimmung und maximale Weitung des Blicks. Im letzteren Fall hinsichtlich der Frage, welches Potential f\u00fcr Personen in der bildenden Kunst im Bereich k\u00fcnstliche Intelligenz, Krypto sowie auf digitalen Plattformen liegt.<\/p><p>Die Medienk\u00fcnstlerin und Politikwissenschaftlerin Nora Al-Badri, der K\u00fcnstler Marcel Schwittlick sowie der Moderator Stefan Kobel betreten die B\u00fchne, um dar\u00fcber zu sprechen, welche Anforderungen neue digitale Werkzeuge an K\u00fcnstlerinnen stellen. Der K\u00fcnstler Jonas Lund wird via Zoom zugeschaltet. Schnell ist dabei klar, warum das Radialsystem als ehemals zentraler Teil des Berliner Wassersystems der ideale Startpunkt f\u00fcr diese Standortbestimmung ist. Denn wo von hier aus bis 1999 Wassers gekl\u00e4rt wurde, geht es auch heute wieder um Klarheit \u2013 nur diesmal eben von Begriffen. Allerorts wird derzeit \u00fcber \u201ek\u00fcnstliche Intelligenz\u201c gesprochen, wobei selten wirklich deutlich gemacht wird, wovon tats\u00e4chlich die Rede ist, meint Al-Badri und stellt einen Punkt unmittelbar scharf. Aktuell sei es wichtig, sich als K\u00fcnstlerin kritisch mit seinen Werkzeugen auseinanderzusetzen. Beispielsweise ist das Bildgenerierungsprogramm MidJourney fast ausschliesslich mit Bildern trainiert worden, die aus dem globalen Norden stammen. Das Resultat: Wer das System nach der Darstellung einer Familie fragt, erh\u00e4lt zwar meist Abbildungen von Menschen unterschiedlichen Alters, allerdings oft ausschliesslich mit weisser Hautfarbe. \u201eMaschinelles Lernen bzw. k\u00fcnstliche Intelligenz\u201c, das vergesse man oft, sei eine \u201eVergangenheitstechnologie\u201c, weil sie nur so gut sei wie die Daten, mittels derer sie trainiert wurde. So ist die Auswahl der Tools, die K\u00fcnstler*innen treffen, keine rein \u00e4sthetische, sondern auch eine Frage der politischen Haltung.<\/p><p>Der K\u00fcnstler Jonas Lund stimmt zu und bringt seine Maxime pr\u00e4gnant auf den Punkt: Heute gehe es darum, dass wir das Gegenteil von \u201eTechbros\u201c sind. Der M\u00e4nner im Silicon Valley also, die ihr Leben und Arbeiten nach dem Motto \u201eMove fast and break things\u201c ausrichten. F\u00fcr uns alle sollte es hingegen eher heissen: \u201eMove slow and fix things\u201c.<\/p><p>Um den Faktor Zeit geht es auch auf dem n\u00e4chsten Podium. \u201eWer mit digitalen Tools besonders zur Generierung von Bildern arbeitet, hinkt zeitlich immer schon hinterher\u201c, meint Bianca Kennedy zur Frage, wie digitale Kunst produziert, ausgestellt und konserviert werden sollte. Zusammen mit Felix Kraus bildet sie das Kollektiv kennedy+swan. \u201eMan erstellt etwas im April und wenn am Ende des Jahres die Ausstellung stattfindet, merken alle Besucher*innen, dass das im April entstanden ist.\u201c Ich erinnere mich an Al-Badris Gedanken von maschinellem Lernen als \u201eVergangenheitstechnologie\u201c. Kunst also tats\u00e4chlich als Wettlauf gegen die Zeit?<\/p><p>Von dieser kritischen Betrachtung der eigenen Antiquiertheit wagen Johannes B\u00fcttner, Julian Kamphausen, Alexander Koch, Prof. Dr. Tahani Nadim, Dr. Leila Zickgraf und die Moderatorin Wibke Behrens nochmals eine kulturpolitischen Verortung \u2013 mit dem Erdball zwischen den Fingern, wenn man so will.<\/p><p>Eine sehr frische Sichtweise bringt dabei Dr. Leila Zickgraf ein, die viel zu Igor Strawinsky geforscht hat. Der Komponist, so die Kuratorin und Musik- und Tanzwissenschaftlerin, sei lange fasziniert gewesen von der Technologie selbstspielender Klaviere. Seine Hoffnung war es, dass er so endlich den stets ungen\u00fcgenden menschlichen Faktor des Interpreten ausschalten k\u00f6nne. Von der tats\u00e4chlichen Maschinenmusik w\u00e4re er dann allerdings schnell desillusioniert gewesen. Denn was er zu h\u00f6ren bekam, war keine Umsetzung seiner Musik als platonisch reine Idee, sondern mechanisches Geklimper eines Automaten, ohne \u2013 eben \u2013 Seele und Gef\u00fchl.<\/p><p>Vielleicht ist aus dieser historischen Anekdote vor dem Hintergrund der vielseitigen Eindr\u00fccke dieses Tages auch etwas f\u00fcr unsere Gegenwart abzuleiten. So vielseitig einsetzbar die digitalen Tools auch sind, am Ende zeigt die Nadel mit der Aufschrift \u201eSie befinden sich hier\u201c immer auf uns selbst. Wenn ich etwas von dem Event \u201eUnchained: KI, Krypto &amp; Kunst\u201c mitnehme, dann ist es dies: Die Kunst, digitale wie analoge, ist dann in der richtigen Richtung unterwegs, wenn sie eine Form des Ausdrucks, ein Mittel der Kommunikation, vielleicht auch ein didaktisches Tool von Menschen f\u00fcr Menschen ist. \u201eHier sind wir\u201c ist ein Satz, der weder zur\u00fcck in die Vergangenheit noch voraus in die Zukunft blickt, sondern uns in der unmittelbaren Gegenwart erm\u00e4chtigen kann. Eine Botschaft, die das bildungswerk des bbk nicht nur an diesem Tag sendet, sondern durch praxisorientierte Lernfelder und durch eine starke Programmatik f\u00fcr die Professionalisierung und Positionierung von Kunstschaffenden t\u00e4glich in die Tat umsetzt.<\/p>        <\/div>\n                    <div class=\"autorinfo\"><p>Dominik Erhard ist Philosoph und leitender Redakteur im \u201ePhilosophischen Magazin\u201c. Er begleitete die Veranstaltung KI, Krypto &amp; Kunst und verfasste anschliessend den vorliegenden philosophischen Kommentar.<\/p><\/div>\n                <div class=\"logos-bottom ein-zweiter-text\">\n                <\/div>\n        <div class=\"innter-content-text-wrapper second\"><\/div>\n    <\/div>\n<\/div>"},{"title":{"value":"Ohne Technologie hat Kunst keine Zukunft\u00a0"},"url":"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-dritter-text","html":"<button data-container=\"ein-dritter-text\" data-url=\"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-dritter-text\" style=\"margin-right:10rem;\">Ohne Technologie hat Kunst keine Zukunft\u00a0<\/button>\n","content":"<div class=\"outer-text-wrapper container texte\" id=\"ein-dritter-text\">\n    <div class=\"close-container\"><svg version=\"1.1\" id=\"Ebene_1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" xmlns:xlink=\"http:\/\/www.w3.org\/1999\/xlink\" x=\"0px\" y=\"0px\"\n\t width=\"28.35px\" height=\"28.35px\" viewBox=\"0 0 28.35 28.35\" enable-background=\"new 0 0 28.35 28.35\" xml:space=\"preserve\">\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 0.7071 -0.7071 -0.7071 34.221 14.1756)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 -0.7071 0.7071 -0.7071 14.174 34.221)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<\/svg>\n<\/div>\n    <div class=\"text-content ein-dritter-text\">\n        <h2>Ohne Technologie hat Kunst keine Zukunft\u00a0<\/h2>\n                    <div class=\"autor\"><p>Von Annika von Taube<\/p><\/div>\n                <div class=\"innter-content-text-wrapper\">\n                        <p>Egal, wo man hinschaut, der technologische Wandel l\u00e4uft auf Hochtouren und macht auch vor Kunst keinen Halt, im Gegenteil: Von VR \u00fcber Blockchain bis KI passiert aktuell so viel Neues, man k\u00f6nnte glauben, der Kunstbetrieb sei extrem technologieaffin. Stimmt aber nicht. Beziehungsweise, nur zum Teil. Zwar haben sich Kunstschaffende schon immer voller Experimentierfreude neuen Technologien zugewandt, die Kunstvermittelnden und -verkaufenden aber hat das meist nicht so interessiert, wie man zum Beispiel noch vor wenigen Jahren am geradezu vorsintflutlichen Digitalisierungsstand von Galerien und sonstigen Vermittlungsinstanzen ablesen konnte, und der Covid zu verdankende Zwang, online pr\u00e4senter zu werden, hat nur in kleinen Teilen des Kunstbetriebs zu einem bleibenden Umdenken gef\u00fchrt. Als sei nichts geschehen, wurde der physisch-analoge Betrieb der Pr\u00e4-Covid-\u00c4ra wieder aufgenommen, und es herrscht grosse Freude dar\u00fcber, dass sich diese absurde NFT-Geschichte als haltloser Hype erwiesen hat \u2013 in v\u00f6lliger Verkennung des Umstandes, dass im Schatten von tats\u00e4chlich absurden, aber kaum als Kunst zu bezeichnenden Spekulationsprojekten ein Genre namens generative Kunst an Zulauf gewonnen hat, das fundamentale Fragestellungen \u00fcber das Wesen von Kunst und Markt aufwirft und allein mit der Verhandlung dar\u00fcber, wann ein Werk als \u201efertig\u201c gilt, aufregend viel Sprengstoff in Bezug auf ein letztlich seit Jahrhunderten unver\u00e4ndertes Kunstverst\u00e4ndnis birgt.\u00a0<br>Nat\u00fcrlich trifft man auch auf positive Zugewandtheit, und das nicht nur in Start-up-Gefilden, die sich ein h\u00fcbsches Gesch\u00e4ft versprechen von der Technologisierung des Kunstmarkts und nicht verstehen, warum niemand ihre KI-basierten Preisfinder-Algorithmen oder Eigentumsanteilsmodelle f\u00fcr Bluechips haben will, aber man muss es so klar sagen: Der technologische Wandel im Kunstbetrieb geht von Kunstschaffenden aus und nicht vom Markt.\u00a0<br>Das ist deshalb so interessant, weil normalerweise die Nachfrage dar\u00fcber entscheidet, inwiefern sich ein Produkt ver\u00e4ndern muss, und nicht die Produktion selbst \u2013 warum sollte die schliesslich ein Produkt in anderer Ausf\u00fchrung auf den Markt bringen wollen, wenn es ihr H\u00e4ndlernetzwerk gar nicht vertreiben will? Die Zahl der Galerien jedenfalls, die digitale oder sonst wie technologiebasierte Kunst anbieten, ist nach wie vor verschwindend gering, der Handel mit NFT gr\u00f6sstenteils auf eigens daf\u00fcr und ausserhalb der traditionellen Kunstwelt errichtete Handelsplattformen limitiert.\u00a0<br>Jetzt k\u00f6nnte man sagen, wo ist das Problem, Kunstschaffende sind ja nicht gezwungen, Kunst mit neuen Technologien zu machen, und was ist denn gegen traditionelle Medien wie \u00d6lfarbe und Bronze einzuwenden. Gar nichts nat\u00fcrlich, und analoge, haptische Kunst soll ja auch gar nicht verschwinden, aber neue nichtphysische Erfahrungsr\u00e4ume verlangen nun mal nach neuen nichtphysischen Kunstformen, aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus, sofern wir nicht eine Zukunft ohne Kunst wollen, und deshalb w\u00e4re allen am Kunstmarkt Beteiligten zu empfehlen, sich darauf einzulassen. Nicht nur den Verkaufs- und Vermittlungsinstanzen \u00fcbrigens, sondern auch den auch nicht durchgehend offen f\u00fcr Neues erscheinenden Kunstinteressierten, denn die profitieren ganz besonders von einer weiteren Besonderheit des Kunstmarktes: Nirgends stehen Produzenten und Konsumenten in so direktem Kontakt miteinander wie hier, wo es erw\u00fcnscht und selbstverst\u00e4ndlich ist, Urheber und Entstehungsumst\u00e4nde eines Werkes zu kennen und Teil desselben Netzwerkes zu sein, nirgends ist die M\u00f6glichkeit zum Austausch so gross, der Feedback-Loop so eng, folglich nirgends so einfach, auf den Zwischenhandel einzuwirken, ihn sogar auszuschalten. Erste Anzeichen daf\u00fcr, wie es ohne geht, zeigen Erfolge von Kunstschaffenden, die ohne Galerievertretung, daf\u00fcr mit reger Social-Media-Pr\u00e4senz und einer eigenen Community operieren. Inwieweit diese Form der Sichtbarkeit auch Zugang zu institutionellen Ausstellungen und sonstigen Karrierebausteinen erm\u00f6glicht, l\u00e4sst sich allerdings noch nicht ablesen, hier scheint die Kraft von Galerien noch ungeschlagen. Womit wir wieder beim Appell an diese w\u00e4ren, technologieaffiner zu agieren.\u00a0<br>Wer dem g\u00e4ngigen Vorwurf an digitale Kunst anh\u00e4ngt, sie sei nicht sinnlich erlebbar und nur maschinell hergestellter Abklatsch \u201eechter\u201c Kunst, sollte sich klarmachen: Technologie wird zunehmend gestaltender Bestandteil von Lebensf\u00fchrung, Arbeitsalltag und Weltsicht. Kunst, die mit dieser Entwicklung kompatibel ist, wird ihre Daseinsberechtigung wahren, ihren Fortbestand sichern und m\u00f6glicherweise die Welt, in der wir leben, aktiv mitgestalten. Technologie schafft Kunst nicht ab, im Gegenteil: Kunst ohne Technologie f\u00fchrt zu einer Zukunft ohne Kunst.\u00a0\u00a0<\/p>        <\/div>\n                    <div class=\"autorinfo\"><p>Annika von Taube ist Markenstrategin und Publizistin. Die studierte Kunsthistorikerin ist Gr\u00fcnderin der Plattform MODERN META f\u00fcr Kunst und Technologie und schreibt \u00fcber die Auswirkungen von Digitalisierung und neuen Technologien, vor allem KI und Blockchain, auf den Kunstbetrieb, unter anderem als Autorin der Kunstmarkt-Kolumne \u201eClick &amp; Collect\u201c im Monopol Magazin. Des Weiteren entwickelt sie Formate zur Kunstvermittlung mit einem Fokus auf Talks und Konferenzen und ber\u00e4t Unternehmen hinsichtlich der Integration von Kunst als strategischer Wegbegleiter im Bereich technologischer Entwicklungen.<\/p><\/div>\n                <div class=\"logos-bottom ein-dritter-text\">\n                <\/div>\n        <div class=\"innter-content-text-wrapper second\"><\/div>\n    <\/div>\n<\/div>"},{"title":{"value":"\u201eSchau doch lieber mal auf die Zeigefinger, anstatt auf den Mond.\u201c"},"url":"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/noch-ein-text","html":"<button data-container=\"noch-ein-text\" data-url=\"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/noch-ein-text\" style=\"margin-right:15rem;\">\u201eSchau doch lieber mal auf die Zeigefinger, anstatt auf den Mond.\u201c<\/button>\n","content":"<div class=\"outer-text-wrapper container texte\" id=\"noch-ein-text\">\n    <div class=\"close-container\"><svg version=\"1.1\" id=\"Ebene_1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" xmlns:xlink=\"http:\/\/www.w3.org\/1999\/xlink\" x=\"0px\" y=\"0px\"\n\t width=\"28.35px\" height=\"28.35px\" viewBox=\"0 0 28.35 28.35\" enable-background=\"new 0 0 28.35 28.35\" xml:space=\"preserve\">\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 0.7071 -0.7071 -0.7071 34.221 14.1756)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 -0.7071 0.7071 -0.7071 14.174 34.221)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<\/svg>\n<\/div>\n    <div class=\"text-content noch-ein-text\">\n        <h2>\u201eSchau doch lieber mal auf die Zeigefinger, anstatt auf den Mond.\u201c<\/h2>\n                    <div class=\"autor\"><p>Eigene Blickwinkel \u2013 Forking Room \u00fcber Prozess-basiertes Arbeiten, Pluralit\u00e4t, Ausstellung und Nachhaltigkeit<br>Forking Room im Gespr\u00e4ch mit Videok\u00fcnstlerin Sylbee Kim<\/p><\/div>\n                <div class=\"innter-content-text-wrapper\">\n                        <p>Die K\u00fcnstlerin Binna Choi und die Kuratorin Min-hyung Kang sind die Gr\u00fcnderinnen des in Seoul basierten Kollektivs Forking Room. In der Programmiersprache bedeutet \u201aforking\u2018 Gabelung, was so viel bedeutet wie eine Abzweigung eines dominanten Systems auf unterschiedliche Derivative. Seit 2017 veranstaltet Forking Room Lern- und Rechercheprogramme mit j\u00e4hrlichen Open Calls zu einer jeweiligen konkreten Agenda, in der es \u00fcbergreifend um einen alternativen Umgang mit Open Source und der Web 3.0 Technologie geht. Diese Ergebnisse werden zusammen mit den Teilnehmer*innen in Formaten wie Ausstellungen, Workshops und Gespr\u00e4chen sowie Magazinen ver\u00f6ffentlicht. Forking Room\u2019s Intention ist es, Technologie \u2013 welche oftmals als etwas stets Innovatives missverstanden wird \u2013 in zug\u00e4ngliche Sprache zu \u00fcbersetzen und so eine kritische Haltung zu diesem Thema zu erm\u00f6glichen.\u00a0<\/p><p>Anhand von Schl\u00fcsselbegriffen wird im Gespr\u00e4ch mit der Videok\u00fcnstlerin Sylbee Kim deutlich, welche Definitionen Forking Room mit Kunst, Technologie und Gesellschaft in Verbindung bringt. Im Gespr\u00e4ch mit Sylbee Kim haben Forking Room ihren neuartigen Umgang mit Kunst, Technologie und Gesellschaft dargelegt und n\u00e4her erl\u00e4utert.\u00a0<\/p><p><strong>PROZESS-BASIERT <\/strong>\u2013<strong> <\/strong>Eure k\u00fcnstlerische Herangehensweise zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass prozessbasierte Zug\u00e4nge zu neuen Technologien im vordergr\u00fcndigen Interesse stehen. Inwiefern seht ihr darin eine gr\u00f6ssere Notwendigkeit als in der Anwendung der Programme selbst?\u00a0<\/p><p><em>Kang:<\/em> Am Anfang unserer Workshops machen wir den Teilnehmer*innen klar, dass es in unserer Praxis nicht um das Beherrschen und klassische Erlernen neuer Technologien geht. Idealerweise sollen die Veranstaltungen viel eher als eine kritische Anregung und ein differenzierter Leitfaden dienen als ein Upgrade von Tech-Knowledge.\u00a0<\/p><p><em>Choi:<\/em> Wir versuchen zuerst, die Mechanismen unter der Benutzeroberfl\u00e4che von Web 3.0 \u2013 wie etwa KI, GAN, GPT usw. \u2013 genauer anzusehen. Auf dieser Basis k\u00f6nnen wir dann intervenieren und alternative Prototypen erfinden. Bei Absent Dataset (2021) haben wir lieber mit Dataset anstatt mit KI selbst gespielt, um so herauszufinden, wo sich \u201aL\u00fccken\u2018 im Rahmen von KI befinden \u2013 zum Beispiel im Umgang mit Gender oder der ethnischen Darstellung. Wir erprobten, wie Mechanismen subjektiv umschrieben werden k\u00f6nnen, wobei das unterschiedliche Niveau der Tech-Kenntnisse bei den Teilnehmer*innen irrelevant ist. Oft f\u00fchren diese Prozesse zwar zu keinem klaren oder vollkommenen Ergebnis, es geht uns auch vielmehr um das Miteinander-Teilen von individuellen Erlebnissen.<\/p><p><strong>PLURALIT\u00c4T<\/strong> \u2013 Das dezentrale Internet schl\u00e4gt eine M\u00f6glichkeit der Inklusion und entkoppelten Zug\u00e4nge f\u00fcr eine breite Masse vor. Wie zug\u00e4nglich sind die neuesten Entwicklungen in der Praxis tats\u00e4chlich?\u00a0<\/p><p><em>Choi:<\/em> Technologie-Entwicklung ist offensichtlich patriarchal und priorisiert \u201aproduktive\u2018 Menschen. \u00c4ltere Menschen und Personen mit k\u00f6rperlicher oder geistiger Beeintr\u00e4chtigung sowie gesellschaftliche Minderheiten stehen meist abseits der Konkurrenz von Tech-Firmen und Tech-Nationen. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es unm\u00f6glich, mich in diesem Feld zu verorten.\u00a0<\/p><p><em>Kang:<\/em> Ein Grund, warum man sich von Tech-Diskursen ausgeschlossen f\u00fchlt, liegt oft daran, dass die vorherrschende \u201aSprache\u2018 dieses Bereichs nicht in der eigenen Sprache formuliert ist; also in einer Sprache, die meiner Existenz entspricht. Forking Room m\u00f6chte unabh\u00e4ngige technologische Prozesse und Ergebnisse generieren und diese als eine erweiterte Option f\u00fcr K\u00fcnstler*innen, Erzieher*innen, Forscher*innen, und Entwickler*innen zu Verf\u00fcgung stellen.\u00a0<\/p><p><strong>AUSSTELLUNG \u2013 <\/strong>Wie geht ihr mit dem Dilemma um, digitale Prozesse im Format einer Ausstellung in der jetzigen Zeit umzusetzen?\u00a0<\/p><p><em>Kang:<\/em> Web 3.0 in ein Ausstellungsformat umzusetzen, ist immer eine Herausforderung. Es scheint fast unm\u00f6glich, in der Geschwindigkeit der gegenw\u00e4rtigen Tech-Entwicklung die jeweils aktuellen Themen mit einem passenden Kuratorium zu vertiefen. Wir steuern um dieses Problem herum, indem wir kurzfristige Projekte in Form von Festivals oder Showcases organisieren.\u00a0<\/p><p><em>Choi:<\/em> Die im gemeinsamen Prozess gewonnenen Erkenntnisse sowie die individuellen kognitiven Begegnungen sind unser wesentliches Ziel. Wir wollen auch hinterfragen, was es bedeutet, in der jetzigen Zeit eine Ausstellung zu machen. Es ist eigentlich fast unm\u00f6glich, die Recherche-Ergebnisse in \u201anativer\u2018 Web 3.0 Sprache, also einer Technologie, mit der man nicht aufgewachsen ist, ausf\u00fchrlich zu formulieren.\u00a0<\/p><p><em>Kang:<\/em> Eine Ausstellung mit einem aussagekr\u00e4ftigen Kuratorium als Kern ist in unserem Fall nicht so ganz geeignet. F\u00fcr mich ist es interessanter, frei von der gel\u00e4ufigen Ausstellungsgrammatik, eine \u201aeffiziente Zusammenstellung\u2018 unserer Ergebnisse auf lockere, dezentrale und subjektive Art \u2013 in der Natur von Web 3.0 \u2013 zu pr\u00e4sentieren.\u00a0<\/p><p><strong>NACHHALTIGKEIT \u2013 <\/strong>Sowohl der Tech-Bereich als auch die Kunstpraxis sind oft mit Kritik \u00fcber die Ausbeutung von Ressourcen und Menschen konfrontiert. Macht sich Forking Room auch dazu Gedanken?\u00a0<\/p><p><em>Choi:<\/em> Wir verzichten auf massive und spektakul\u00e4re Display-Strukturen und versuchen, ein modulares Pr\u00e4sentations-System zu schaffen, das wiederverwendet werden kann. Forking Room\u2019s Veranstaltungen sind so simpel wie m\u00f6glich gestaltet. Nat\u00fcrlich liegt es auch am mangelnden Budget. Genau wie industrielle und kapitalistische Revolutionen explosionsartig die damalige Gegenwart und das damalige Zukunftsdenken beeinflusst haben, wird auch die generative KI das Fundament unseres Alltags ver\u00e4ndern. Dazu m\u00fcssen definitiv auch \u00f6kologische Fragen ber\u00fccksichtigt werden. Eine Teilnehmerin von \u201eAdrenaline Prompt (2023)\u201c hat es mal so formuliert: \u201e<em>Schau doch lieber mal auf die Zeigefinger, anstatt auf den Mond. Wessen Finger ist das eigentlich<\/em>?\u201c Arbeitsrechte, soziale Diskrepanz, Umweltkrise usw. \u2013 im Tech-Bereich werden sie oft von einem faszinierenden Erscheinungsbild der Technologie verdeckt. Anstatt uns von Technologie abzuwenden, m\u00fcssen wir sie realpolitisch konfrontieren, und daf\u00fcr brauchen wir unsere eigenen Blickwinkel.<\/p>        <\/div>\n                    <div class=\"autorinfo\"><p><strong>Binna Choi<\/strong>, K\u00fcnstlerin und Kuratorin, lebt und arbeitet in Seoul und Utrecht. 2016 war sie Kuratorin der renommierten Gwangiu Biennale f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst und hat dort unter anderem mit dem aus Ruanda stammenden K\u00fcnstler Christian Nyampeta zusammengearbeitet.\u00a0<\/p><p><\/p><p><strong>Min-hyung Kang <\/strong>arbeitet als Kuratorin an einer kritischen Perspektive zwischen Technologie und Kunst im s\u00fcdkoreanischen Kontext. Ihren Fokus legt sie auf die Erkundung dezentralisierter Praktiken und auf das kuratorische Konzept der Post-Lokalisierung mit Projekten wie Post-Localisation Syndrome und Minimal Geopolitics. Kang blickt auf die Geschichte der Lokalisierung und der Idee des Lokalen zur\u00fcck, angefangen von einer Strategie des Kolonialismus bis hin zur aktuellen Vorstellung der wirtschaftlichen Dominanz von Grosskonzernen und der digitalen Vorherrschaft aufstrebender KI-Unternehmen.<\/p><p><\/p><p><strong>Sylbee Kim<\/strong> ist 1981 in Seoul, S\u00fcdkorea, geboren und lebt seit 2005 zwischen Berlin und Seoul. Sie hat Kunsttheorie und Visuelle Kunst an der National University of Arts, Seoul, studiert, war Austauschstipendiatin bei Cooper Union New York 2007 und hat einen Meistersch\u00fclerabschluss in Medienkunst an der UDK Berlin bei Prof. Maria Vedder und Prof. Hito Steyerl 2006-2010 erlangt. In ihren Videoinstallationen verbalisiert Kim die Reflektion von \u00f6konomischer Unsicherheit und \u00f6kologischer Dringlichkeit durch digitale und physische Kompositionen. Sie ist Autorin und war Gastk\u00fcnstlerin bei Gasworks London. Ausstellungen unter anderem bei MMCA Seoul, Gwangiu Biennale, Mediacity Seoul Biennale, Kunstverein G\u00f6ttingen und nbk. Sylbee Kim ist Mitglied im Vorstand des bbk berlin und Mitglied des Critical Table.<\/p><\/div>\n                <div class=\"logos-bottom noch-ein-text\">\n                <\/div>\n        <div class=\"innter-content-text-wrapper second\"><\/div>\n    <\/div>\n<\/div>"},{"title":{"value":"Unter K\u00fcnstler*innen bin ich der Informatiker und  unter Informatiker*innen bin ich der K\u00fcnstler"},"url":"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-gesprach-im-studio-mit-marcel-schwittlick","html":"<button data-container=\"ein-gesprach-im-studio-mit-marcel-schwittlick\" data-url=\"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/ein-gesprach-im-studio-mit-marcel-schwittlick\" style=\"margin-right:20rem;\">Ein Gespr\u00e4ch im Studio mit Marcel Schwittlick<\/button>\n","content":"<div class=\"outer-text-wrapper container texte\" id=\"ein-gesprach-im-studio-mit-marcel-schwittlick\">\n    <div class=\"close-container\"><svg version=\"1.1\" id=\"Ebene_1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" xmlns:xlink=\"http:\/\/www.w3.org\/1999\/xlink\" x=\"0px\" y=\"0px\"\n\t width=\"28.35px\" height=\"28.35px\" viewBox=\"0 0 28.35 28.35\" enable-background=\"new 0 0 28.35 28.35\" xml:space=\"preserve\">\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 0.7071 -0.7071 -0.7071 34.221 14.1756)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 -0.7071 0.7071 -0.7071 14.174 34.221)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<\/svg>\n<\/div>\n    <div class=\"text-content ein-gesprach-im-studio-mit-marcel-schwittlick\">\n        <h2>Unter K\u00fcnstler*innen bin ich der Informatiker und  unter Informatiker*innen bin ich der K\u00fcnstler<\/h2>\n                <div class=\"innter-content-text-wrapper\">\n                        <p>Ein Gespr\u00e4ch im Studio mit Marcel Schwittlick<\/p><p>von Kristina Miller\u00a0<\/p><p>Marcel Schwittlick ist ein in Berlin lebender K\u00fcnstler, der sich mit digitalen und physischen Medien auseinandersetzt. In seiner multidisziplin\u00e4ren Praxis kombiniert Schwittlick digitale und analoge Medien, um die \u00dcberschneidung von Kunst, Technologie und Philosophie zu untersuchen. Algorithmische Methoden und Maschinen \u2013 oftmals Plotter \u2013 erzeugen abstrakte, geometrische Muster, die die Grenzen zwischen Zufall und Absicht, Kontrolle und Zuf\u00e4lligkeit ausloten.\u00a0\u00a0<\/p><p><strong>Die Computermaus ist wohl die unmittelbarste Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. In einer fr\u00fchen Arbeit von Marcel Schwittlick \u201e<em>One Day of Honest Work (2020 \u2013 ongoing)\u201c <\/em>werden die Bewegungen der Mausf\u00fchrung durch ein selbstkodiertes Programm erfasst und dabei die digitalen Spuren in Form von Zeichnungen in Umkehrung analog sichtbar gemacht. Der Vorgang gleicht einer Choreographie und hat performativen Charakter. Legt die Arbeit sinnbildlich die unumkehrbare Abh\u00e4ngigkeit des Menschen gegen\u00fcber Maschinen offen?<\/strong> \u00a0<\/p><p>Die Idee, Linien der Computermaus zu nutzen, war, urspr\u00fcnglich daher motiviert, einen neuen Ansatz f\u00fcr zuf\u00e4llige Daten \u2013 f\u00fcr Entropie \u2013 zu entwickeln. Klassischerweise wird in der generativen Kunst mit dem (Pseudo-)Zufall beziehungsweise mit mathematischen Formeln gearbeitet. Mir hat an meiner eigenen Arbeit etwas Unvorhersehbares gefehlt, wobei ja urspr\u00fcnglich die Zufallsprozesse unvorhersehbar sein sollten. Gleichzeitig habe ich nach Daten gesucht, die den K\u00f6rper in die Arbeit miteinbeziehen. Ich w\u00fcrde es als angewandtes Recherche-Projekt betrachten, das mir einen Zugang gibt, Themen wie Mensch-Maschine-Interaktionen k\u00fcnstlerisch zu behandeln.\u00a0<\/p><p><strong>Das Zusammenspiel steigert sich in Deiner Praxis durch den Einsatz von Plottern. Bevor die Maschinen technisch zeichnen, gehen teils aufwendige Softwareentwicklungen voraus. Welcher Wert wird dem Programmieren zugeschrieben? Mittel zum Zweck oder elementarer Teil des k\u00fcnstlerischen Prozesses?\u00a0<\/strong>\u00a0<\/p><p>Interessante Frage, die ich jeden Tag anders beantworten w\u00fcrde. Vermutlich w\u00fcrde ich \u00f6fter sagen, dass es Mittel zum Zweck ist. Wobei das explorative, wilde Programmieren schon h\u00e4ufiger zum gef\u00fchlten Durchbruch gef\u00fchrt hat als das analytische, theoretische Durchdenken von M\u00f6glichkeiten. Letztendlich ist es eine Gratwanderung, in der sich beides bedingt. Es gibt die harte Schule der Softwareentwicklung, die ich gern als Handwerk sehe und die dadurch ein wichtiger Muskel ist, der regelm\u00e4ssig trainiert werden muss, um einen experimentellen Umgang damit zu erm\u00f6glichen. Letztendlich versuche ich aber das nicht allzu ernst zu nehmen und w\u00fcrde hier dem\/der interessierten Leser*in \u201eFun und Software\u201c, herausgegeben von Olga Goriunova empfehlen.\u00a0<\/p><p><strong>Der Faktor Zeit spielt in Deinem Werk eine differenzierte Rolle. Plottervorg\u00e4nge sind zeitintensiv; wir sprechen von Vorg\u00e4ngen von bis zu 48 Stunden und sogar l\u00e4nger. Und parallel l\u00e4ufst Du \u2013 selbstverordnet \u2013 gegen die Zeit, die serienzugeh\u00f6rigen Stifte k\u00f6nnen nur noch Restbest\u00e4nden erworben werden. Du bewegst Dich quasi zwischen Unendlichkeiten an k\u00fcnstlerischen Ausdrucksweisen und der Endlichkeit zeitlicher Kapazit\u00e4ten sowie limitierter Ressourcensch\u00f6pfung.<\/strong>\u00a0<\/p><p>Der Faktor Zeit spielt eine grosse Rolle in meiner Arbeit. Auch finde ich es interessant, mit Limitierungen zu arbeiten. In der Serie \u201e<em>The Long Run\u201c<\/em> arbeite ich mit einer bestimmten Art von Plotter-Stiften, die ich \u00fcber die letzten f\u00fcnf Jahre angesammelt habe. Die Idee war, diese Stifte zu leeren, dadurch die \u00c4ra dieser Stifte zu beenden, einen harten Schnitt zu machen. Erst durch diese Geste wurde es m\u00f6glich, dieses verg\u00e4ngliche Material wertzusch\u00e4tzen. Die Farben der Stifte haben sich \u00fcber die 40 Jahre der Lagerung ver\u00e4ndert, die eine weitere Ebene der Arbeit \u00f6ffnet. Jeder blaue Stift des identischen Stiftmodells hat einen anderen Blauton. Um diese Eigenschaft zu erzeugen, mussten die Stifte aber auch erst so lang mehr oder weniger sorgsam gelagert werden. Diese Varianz ist f\u00fcr mich nicht reproduzierbar und dadurch von einem hohen Wert, der die \u00e4sthetische Form der Bilder \u00fcbersteigt und ihnen eine Einzigartigkeit verleiht und ausserhalb meines Einflussgebiets als K\u00fcnstler steht. Wenn man m\u00f6chte, k\u00f6nnte man das als Darstellung der Natur sehen. Wohingegen hier die Natur keine Landschaften, sondern vielmehr die Nachl\u00e4sse der Menschheit im weitesten Sinne meinen, die zur Natur geworden sind.\u00a0<\/p><p><strong>In neueren Arbeitsprozessen zeichnest Du maschinell in der Dunkelkammer. Dabei belichtet sich das Papier, indem das Licht eines Lasers auf das Papier einwirkt. Die jeweiligen Entwicklungsvorg\u00e4nge werden akribisch dokumentiert. Wo liegt die Entropie?\u00a0<\/strong>\u00a0<\/p><p>Die Luminogramm-Serie \u201e<em>It is what it is\u201c<\/em> ist das Resultat des Experiments, anstelle von Stiften eine Laserdiode \u00fcber Papier zu bewegen, welche Fotopapier belichtet und f\u00fcr mich die T\u00fcr der algorithmischen Fotografie \u00f6ffnet. Der Laser wird durch diverse Voltst\u00e4rken angesteuert und durch Pulse Width Modulation moduliert. Das menschliche Auge nimmt diese Modulationen als diverses Dimmen auf, tats\u00e4chlich wird aber die Lichtmenge und die Frequenz des An-und-Ausschaltens des Lasers gesteuert. Der Experiment-Charakter der Serie zeigt sich dadurch, dass der Prozess zur Dokumentation der unterschiedlichen Parameter \u2013 Zeichengeschwindigkeit, Volt, Ampere &amp; PWM \u2013 mit wissenschaftlicher Genauigkeit ablaufen mussten, um das Zeichenwerkzeug \u201aLaser\u2018 zu erforschen. Die Strukturen der Serie sind wiederverwertete Maus-Linien.\u00a0<\/p><p><strong>Auch Parameter wie Temperaturschwankungen bestimmen immer wieder Resultate Deiner Arbeiten. Wieviel Kontrolle wird abgegeben?<\/strong>\u00a0<\/p><p>Ein interessanter Aspekt von maschinellen Zeichnungen, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum angefertigt werden, ist der unvermeidbare Einfluss der r\u00e4umlichen Umgebung. Beispielsweise die Serie \u201e<em>Upward Spiral\u201c,<\/em> die \u00fcber einen Zeitraum von zwei Jahren angefertigt wurde, hat Einfl\u00fcsse der Jahreszeiten. Die in der Serie benutzten Wachsstifte sind eben im Sommer weicher als im Winter. Durch die akribische Gleichm\u00e4ssigkeit der maschinellen Ausf\u00fchrung bietet die Serie eine Grundlage, solche Einfl\u00fcsse auch am Resultat der einzelnen Zeichnung erkennen zu k\u00f6nnen. Dadurch wird auch noch einmal die Differenzierung zwischen Plot und Druck deutlich. Ein Druck ist eine 1:1 \u00dcbertragung in ein neues Medium, bei einem Plot ist das etwas unsch\u00e4rfer.\u00a0<\/p><p><strong>Die Wartung der Plotter erfolgt in Eigenregie, das setzt langj\u00e4hrig antrainiertes Wissen, aber auch Austausch voraus. Du hast mittlerweile ein solides Netzwerk an fachnahen Expert*innen. An der Schnittstelle zwischen k\u00fcnstlerischer Praxis und dem Zugang zu technologisch Versiertem stellt sich die Frage, inwiefern die Grenzen zwischen Programmierer, Maschinenbauingenieur und K\u00fcnstler verschwimmen?\u00a0<\/strong>\u00a0<\/p><p>Die Auseinandersetzung mit der Materie \u2013 in meinem Fall Plotter, Software, Papier, Stifte \u2013 finde ich interessant. Ich habe gelernt, mich im Zwischenraum der Disziplinen wohlzuf\u00fchlen. Unter K\u00fcnstler*innen bin ich der Informatiker und unter Informatiker*innen bin ich der K\u00fcnstler. Was sich durch diese Gegebenheit birgt, ist die M\u00f6glichkeit einer direkten Kontextualisierung der Disziplinen.\u00a0\u00a0<\/p>        <\/div>\n                    <div class=\"autorinfo\"><p><strong>Marcel Schwittlick<\/strong>, ein in Berlin lebender K\u00fcnstler, der sich mit digitalen und physischen Medien auseinandersetzt. Seine Praxis ist in algorithmischen Systemen und computergest\u00fctzter \u00c4sthetik verwurzelt und konzentriert sich haupts\u00e4chlich auf Arbeiten, die mit Zeichenmaschinen (Stiftplottern) erstellt wurden. Schwittlicks Arbeit beinhaltet oft einen einzigartigen Prozess, bei dem \u00fcber Jahre aufgezeichnete Cursorlinien von digitalen Spuren in greifbare analoge Kunstwerke umgewandelt werden, indem eine Vielzahl von Verfahren verwendet wird, die von algorithmischen Zeichnungen bis hin zu generativer Fotografie reichen.<\/p><p><strong>Kristina Miller<\/strong>, Kuratorin, arbeitet in ihrer k\u00fcnstlerischen Praxis an der Schnittstelle zwischen soziologischen Ph\u00e4nomenen und gesellschaftlicher Reproduktion. In ihrer immersiven, multimedialen Praxis kombiniert Miller Video und Fotografie mit dokumentarischen Aufnahmen im Spannungsfeld szenetypischer Bildsprachen. Die Arbeiten tauchen oft in Lebenswelten ein, die von Radikalisierung, Identit\u00e4tssuche und Resignation gepr\u00e4gt sind.<\/p><\/div>\n                <div class=\"logos-bottom ein-gesprach-im-studio-mit-marcel-schwittlick\">\n                <\/div>\n        <div class=\"innter-content-text-wrapper second\"><\/div>\n    <\/div>\n<\/div>"},{"title":{"value":"Raus ins Offene \u2013 der Versuch einer Verortung"},"url":"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/raus-ins-offene-der-versuch-einer-verortung","html":"<button data-container=\"raus-ins-offene-der-versuch-einer-verortung\" data-url=\"https:\/\/unchained.bbk-bildungswerk.de\/texte\/raus-ins-offene-der-versuch-einer-verortung\" style=\"margin-right:25rem;\">Raus ins Offene \u2013 der Versuch einer Verortung<\/button>\n","content":"<div class=\"outer-text-wrapper container texte\" id=\"raus-ins-offene-der-versuch-einer-verortung\">\n    <div class=\"close-container\"><svg version=\"1.1\" id=\"Ebene_1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" xmlns:xlink=\"http:\/\/www.w3.org\/1999\/xlink\" x=\"0px\" y=\"0px\"\n\t width=\"28.35px\" height=\"28.35px\" viewBox=\"0 0 28.35 28.35\" enable-background=\"new 0 0 28.35 28.35\" xml:space=\"preserve\">\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 0.7071 -0.7071 -0.7071 34.221 14.1756)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<g>\n\t<rect x=\"-2.332\" y=\"13.304\" transform=\"matrix(-0.7071 -0.7071 0.7071 -0.7071 14.174 34.221)\" width=\"33.013\" height=\"1.742\"\/>\n<\/g>\n<\/svg>\n<\/div>\n    <div class=\"text-content raus-ins-offene-der-versuch-einer-verortung\">\n        <h2>Raus ins Offene \u2013 der Versuch einer Verortung<\/h2>\n                    <div class=\"autor\"><p>Von Wibke Behrens unter Mitarbeit von Felicia Meynersen<\/p><\/div>\n                <div class=\"innter-content-text-wrapper\">\n                        <p>Bewusst \u201eRaus ins Offene\u201c f\u00fchrte die kulturpolitische Podiumsdiskussion zum Abschluss der Veranstaltung. Moderiert von Wibke Behrens, diskutierten die geladenen Referent*innen Johannes B\u00fcttner, Julian Kamphausen, Alexander Koch, Tahani Nadim und Leila Zickgraf (s. u.) dar\u00fcber, welche Steuerungsm\u00f6glichkeiten es in der Kulturpolitik f\u00fcr die Kunst und die Kultur gegenw\u00e4rtig gibt.\u00a0<\/p><p>Eingangs beleuchten die Panelist*innen, was wir in Bezug auf KI und Co aktuell wahrnehmen und immer wieder h\u00f6ren: Sie manipulieren die Massen, verwandeln <em>fake News<\/em> in Fakten, ersetzen menschliche Arbeitskr\u00e4fte, kolonisieren die Objektwelt und f\u00fchren uns in Versuchung. Auf Basis digitaler Codes erledigt k\u00fcnstliche Intelligenz tausendfach minuti\u00f6se Routinen, die menschliche Handlungs- und Arbeitsschritte erg\u00e4nzen oder ganz ersetzen und damit virtuelle wie analoge Strukturen pr\u00e4gen. Oft erhalten beispielsweise Bots menschliche Attribute \u2013 Namen, Stimmen, gar K\u00f6rper.\u00a0<\/p><p>Das Ph\u00e4nomen der Allgegenw\u00e4rtigkeit von KI ist \u2013 so die Diskussionsrunde \u2013 immer \u00f6fter greifbar, w\u00e4hrend es vor einer Weile fast noch unsichtbar war. Inzwischen werden die Einfl\u00fcsse und Einflussnahmen durch das Einsetzen kapitalistischer Strategien in Form von KI-basierten Dienstleistungen und durch W\u00e4hrungskonzepte zunehmend Teil unseres Alltags. Wahrzunehmen ist hier \u2013 so auch Stimmen im Panel \u2013 eine starke Verdichtung.\u00a0<\/p><p>Vor diesem Hintergrund tauschten sich die Panelist*innen im Dialog mit dem Publikum, moderiert von Wibke Behrens, dar\u00fcber aus, wer eigentlich wen oder was kontrolliert. Daran ankn\u00fcpfend, stellte sich die weiterf\u00fchrende Frage: Was ist es in unterschiedlichen Sparten und Techniken, dass wir uns die Strategien, Verwertungslogiken, Wertsch\u00f6pfungsketten zu eigen machen, um wissenschaftlich, \u00f6konomisch, k\u00fcnstlerisch und sozio-technologisch in das Operative und Steuernde zu kommen. Es ginge darum \u2013 so eine zentrale Beobachtung der Diskussionsrunde \u2013 von der Ohnmacht in die Gestaltung zu gelangen.<\/p><p>\u201eRaus ins Offene\u201c besch\u00e4ftigte sich daher auch mit dem Fragenkomplex, wer \u00fcber welches Wissen verf\u00fcgt \u2013 und damit \u00fcber welche Macht. Die Moderation warf die grundlegende Frage auf, ob es Kunst, Kultur und Wissenschaft gelinge, Transparenz und Nachvollziehbarkeit, R\u00fcckschl\u00fcsse und Perspektiven in den Entscheidungsfindungen herzustellen und zu bewahren. In der Diskussion wurde immer wieder deutlich, dass wir durch unser eigenes Tun Hierarchien, Ausgrenzungen, Beteiligung ver\u00e4ndern und beeinflussen. Stets werde auch zuk\u00fcnftig aufs Neue zu fragen sein: Welche Gestaltungsr\u00e4ume \u00f6ffnen sich, welche schliessen sich \u2013 zum Guten?<\/p><p>Im Fokus des Interesses stand ferner, was im Digitalen reproduziert wird und wie sich damit Rassismus, Diskriminierung, Sexismus im Loop an der Oberfl\u00e4che h\u00e4lt und damit st\u00e4rker denn je im gesellschaftspolitischen Diskurs und schn\u00f6den Alltag.\u00a0<\/p><p>Aus den verschiedenen Perspektiven der Panelist*innen wurde in der Abschlussrunde zusammengetragen, welche kulturpolitischen, sozial-politischen, wissenschafts-politischen und \u00f6konomischen Stressfelder sich derzeit partiell oder komplett ausserhalb des menschlichen Handelns einstellen: Utopie oder Dystopie oder Heterotopie? Aber es wurde auch gezielt gefragt: Wo liegen Chancen f\u00fcr die bildenden Kunst, die kulturelle Produktion und nicht zuletzt die Kulturpolitik? Wird dabei bedacht, dass wir ein Urheberrechtssystem haben, dass auf nat\u00fcrlichen Personen beruht? Oder dass sich Elemente von KI gut in die eigene Arbeit integrieren lassen?\u00a0<\/p><p>Hier und heute \u2013 auf dem Boden von Kunst und Kultur \u2013 wagten Moderation und Panelist*innen im Dialog mit dem Publikum bewusst den Schritt \u201eRaus ins Offene\u201c. Sie versuchten anhand von konkreten Beispielen, eine Verortung vorzunehmen. Dabei entwickelten sie auch vertiefende neue Fragen: Was bedeutet KI in den jeweiligen Kontexten? Gibt es Ideen und Ans\u00e4tze, wie sich Copycatting der Plattformen, also das Imitieren oder Nachahmen von Stilen, Techniken oder Ideen anderer K\u00fcnstler*innen, und Scraping, also das Abziehen von Daten aus dem Netz zum Speisen der Algorithmen, regulieren lassen? Denn hier wird ja urheberrechtlich gesch\u00fctztes Bildmaterial ohne Einverst\u00e4ndnis und Bezahlung der jeweiligen K\u00fcnstler*innen genutzt, um die KI zu entwickeln. Kurz: Was brauchen wir also? Neue Ethik-Guidelines? Eine Abgabe f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Urheber? Was ist zu lernen, zu trainieren, wohin geht der Professionalit\u00e4tsbegriff?<\/p><p>Auch zuk\u00fcnftig wird zu beleuchten sein, was dies alles f\u00fcr unseren bisherigen K\u00fcnstler*innenbegriff bedeutet: Welche Begriffsmerkmale gibt es bereits, wie werden sie sich erneut ver\u00e4ndern? Zudem wollen wir immer wieder wissen, was ein ver\u00e4nderter K\u00fcnstler*innenbegriff f\u00fcr die Rahmenbedingungen von Kunstproduktion und -vermittlung bedeutet. Weiter werden wir uns damit besch\u00e4ftigen, wie sich der Arbeits- und der Produktionsbegriff im Sinne von Definition und Sicherung von Authentizit\u00e4t (z.B. bei Entw\u00fcrfen, Wettbewerbsbeitr\u00e4gen) ver\u00e4ndern. Stets neu aufzudecken ist, welche Potenziale auf diese Weise der Umgang mit Sammeln, Sammlung bietet. Es gilt sich dar\u00fcber hinaus Gedanken zu machen dar\u00fcber, welchen Stellenwert die Unterscheidung von Amateur*in und K\u00fcnstler*in, im Sinne der Professionalit\u00e4t und Entwicklung von k\u00fcnstlerischen Fertigkeiten hat. Und nicht zuletzt erhoffen wir uns weiter Auskunft dar\u00fcber, ob es wirklich neue \u00f6konomische Pfade sind, die sich auftun. Welche Rolle spielt der Kunstmarkt?\u00a0<\/p><p><\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Das zusammenf\u00fchrende Podium bot ermutigende Praxisbeispiele als Antwort auf die Frage nach dem scheinbar unendlichen M\u00f6glichkeitsraum, die neuen Entwicklungen kultur- und sozio-\u00f6konomisch \u2013 und damit politisch verantwortungsvoll \u2013 zu gestalten und zu steuern. Geb\u00fcndelt wurde, wo die Potentiale und Herausforderungen im Einzelnen liegen und damit auch die konkreten Chancen f\u00fcr die bildende Kunst und die Kunstschaffenden in den n\u00e4chsten Jahren. Prognostiziert wurde aus Sicht der Europ\u00e4ischen Ethnologie, dass \u2013 in Analogie zu bahnbrechenden Entwicklungen wie der Entschl\u00fcsselung des menschlichen Genoms \u2013 auch f\u00fcr die KI weder die Bef\u00fcrchtungen noch Hoffnungen, die derzeit allgemein verbreitet sind, zu best\u00e4tigen sein werden. Aus der Perspektive der Galerien und Galerist*innen wurde die bildende Kunst dazu ermutigt, vom blossen Reagieren auf grosse Tech-Firmen in das aktive Steuern zu kommen. Dazu m\u00fcsse Schluss sein mit Halbwissen. K\u00fcnstlerinnen h\u00e4tten die dringende Aufgabe, Expert*innen auf technischen Gebieten zu werden, um an der Spitze der Entwicklung mitzuspielen.\u00a0<\/p>        <\/div>\n                    <div class=\"autorinfo\"><p>In \u201eRaus ins Offene\u201c diskutierte Wibke Behrens im Gespr\u00e4ch mit folgenden Referent*innen:\u00a0<\/p><p><strong>Johannes B\u00fcttner<\/strong>, der ein vielf\u00e4ltiges Werk entwickelt hat, das oft in umfassenden Rauminstallationen angeordnet ist. Er verhandelt Gegenwart und Vergangenheit, spekulative sowie wissenschaftlich fundierte sozio\u00f6konomische Themen. Dabei denkt er \u00fcber die Zukunft in all ihren M\u00f6glichkeiten nach, aber im Bewusstsein der planetarischen Krisen. Um Zukunftsszenarien zu skizzieren, vermeidet B\u00fcttner es, eine etablierte, kapitalistische, von Silicon Valley und der Tech-Industrie beeinflusste Rhetorik zu reproduzieren, sondern kontrastiert sie mit subkulturellen Praktiken, verschiedenen Formen von Hacking, Queering, DIY-Praktiken und Aufrufen zur Selbstorganisation. Seine Arbeit kontextualisiert den Raum, in dem sie stattfindet, und bindet oft Menschen ein, die ausserhalb der Kunstwelt stehen.\u00a0<\/p><p><\/p><p><strong>Julian Kamphausen <\/strong>als Regisseur, k\u00fcnstlerischer Leiter und Kurator in den darstellenden K\u00fcnsten. Von 2016 bis 2019 konzipierte er u.a. die Performersion, ein Format bei dem Akteur*innen der digitalen Zivilgesellschaft und der Technologieentwicklung mit K\u00fcnstler*innen aus den Digital und Performing Arts in Austausch, Diskussion und Kooperation kommen. Kamphausen war Mitgr\u00fcnder und K\u00fcnstlerischer Leiter des prater.digital. Er ist Mitglied im Kuratorium des Fonds Darstellende K\u00fcnste. Seit 2021 ist er Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsteam des Studios f\u00fcr unendliche M\u00f6glichkeiten.<\/p><p><\/p><p><\/p><p><strong>Alexander Koch<\/strong> ist Kurator, Autor, Galerist und Kulturmediator. Zahlreiche von Koch kuratierte und initiierte Ausstellungen, Ver\u00f6ffentlichungen und Vortr\u00e4ge reflektieren die institutionellen und \u00f6konomischen Transformationen der j\u00fcngeren Gegenwart und deren Konsequenzen f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Kunst. Er ist Mitbegr\u00fcnder der Galerie KOW Berlin, mit einem programmatischen Schwerpunkt im Bereich der gesellschaftsorientierten Kunst. Koch ist zudem Co-Initiator der Neuen Auftraggeber in Deutschland und seit 2017 Direktor der Gesellschaft der Neue Auftraggeber.<\/p><p><\/p><p><strong>Prof. Dr. Tahani Nadim<\/strong>, Co-Leiterin des interdisziplin\u00e4ren Forschungszentrums Humanities of Nature am Museum f\u00fcr Naturkunde Berlin, ist Juniorprofessorin f\u00fcr soziokulturelle Anthropologie am Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Ethnologie der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin und dort auch Mitglied des Center for Anthropological Research on Museums and Heritage (CARMAH). Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Datafizierung der Natur und der Politik der Digitalisierung von Museumssammlungen. Ihre Schriften erschienen in JRAI, Science as Culture, Big Data &amp; Society und den Philosophical Transactions of the Royal Society. Sie leitet ausserdem die experimentelle Forschungseinheit Bureau for Troubles, in der sie mit K\u00fcnstlern und Kuratoren zusammenarbeitet. Zu ihren Ausstellungen geh\u00f6ren \u201eThe Influencing Machine\u201c (nGbK, 2018-19) und \u201eDead Wasps Fly Further\u201c (Museum f\u00fcr Naturkunde, 2015).<\/p><p><\/p><p><strong>Dr. Leila Zickgraf <\/strong>ist<strong> <\/strong>Musikwissenschaftlerin und Wirtschaftswissenschaftlerin und war international als T\u00e4nzerin, Choreografin und Tanztrainerin t\u00e4tig. Sie hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Russland und den USA (u.a. Harvard University und Columbia University) geforscht, international Vortr\u00e4ge und Workshops gehalten, an der Universit\u00e4t Basel gelehrt und Vermittlungsformate gemeinsam mit Kulturinstitutionen in Basel und Moskau kuratiert.\u00a0Derzeit forscht sie zum Themenspektrum\u00a0\u201eMensch \u2013 Maschine \u2013 Musik\u201c,\u00a0vernetzt\u00a0Wissenschaftler*innen, Kulturschaffende und K\u00fcnstler*innen \u2013 aktuell\u00a0auf ihrer Plattform\u00a0\u201ecreAItix\u201c\u00a0vor allem zum Thema K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 und lehrt an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin.<\/p><\/div>\n                <div class=\"logos-bottom raus-ins-offene-der-versuch-einer-verortung\">\n                <\/div>\n        <div class=\"innter-content-text-wrapper second\"><\/div>\n    <\/div>\n<\/div>"}]}